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10 years in type

Mittwoch, 15. Februar 2012

Heute habe ich ein wunderbares Paket zugestellt bekommen. Ein Box-Set voller Schriftgeschichten der Typefoundry Fontsmith. Anlässlich des 10-Jahres-Jubiläums seiner Schriftenschmiede hat Jason Smith Rückschau gehalten und einen kurzen Überblick über die wichtigsten Schriften und Logos, die er mit seinen mittlerweile 5 Mitarbeitern gestaltet hat.

In den Booklets erfährt man etwa, dass die wunderbare FS Albert nach seinem Sohn benannt ist. Jason hatte erst den fetten Schnitt gezeichnet und weil sein Sohn damals etwas fülliger war, hat er den Schriftentwurf nach seinem Filius benannt. Anfangs war Albert etwas indigniert, weil sein Dad dachte, er sei dick, heute ist er aber mächtig stolz auf den Verkaufserfolg.

FS Me war eine Arbeit für Mencap, eine Hilfsorganisation für geistig Behinderte. Jason recherchierte viel, um den richtigen Ton zu treffen. Schließlich sagten ihm die meisten in der Organisation, dass ihre Lieblingsschrift Comic Sans sei. Dem Himmel sei Dank, dass FS Me entwickelt wurde, die für alle nun den richtigen Spirit besitzt.

FS Clerkenwell war der Versuch eine Slabserif-Schrift zu entwickeln, die irgendwo zwischen den geraden Linien einer Rockwell und den organischen Formen einer Clarendon liegt. Das Resultat war eine lebendige slabby Serif die mit geraden und runden Abschlüssen spielt.

FS Joey nahm seinen Ausgang bei der Form des kleinen g. Für die BBC entwickelte Jasons Mitarbeiter Fernando Mello eine Schrift, die onscreen funktionieren sollte. Das kleine g sollte eine besonders charakterstarke Form bekommen.

FS Lola wurde von Jasons Design-Partner Phil Garnham als erstes eigenes Projekt gezeichnet, als der Chef für einige Zeit das Büro verließ. Er wollte nach seiner Rückkehr einfach neue Ideen sehen. Für diese Schrift lernte Phil, dass es einfach nicht genügt, nur gute Formen zu zeichnen sondern zuerst ein großes Ziel vor Augen zu haben. Der Projektname war „Rigsby“ – nach einem Sitcom-Charakter – wurde aber später zu Lola geändert. Obwohl sich Phil nicht sicher ist, ob FS Lola nun eher weiblich oder männlich ist.

FS Conrad entstand unter der inspirativen Zusammenarbeit mit dem Künstler Conrad Shawcross, der an einer Skulptur arbeitete. Seine Skizzen und Denkweisen haben zu dieser linearen Formgebung geführt.

Der UEFA Champions League Font wurde gemeinsam mit der gebürtigen Italienerin und eingefleischten AC- Milan-Anhängerin Emanuela Conidi entwickelt. Ihre erste Arbeit bei Fontsmith gleich für den europäischen Fußballverband! Kein Wunder, dass sie sich besonders anstrengte. Als sie das Ergebnis präsentierten, schmuggelte Jason eine Folie dazwischen, auf der zu lesen stand: „Wenn ManU das Finale erreicht, kann ich Karten haben?“ Die Verantwortlichen waren begeistert … wie auch Emanuelas Vater im alten Italien natürlich mächtig stolz auf ihre Arbeit ist.

Noch viel andere Geschichten, Anekdoten und Skizzen sind in diesen wunderschön gestalteten Foldern zu finden. Das gedruckte Exemplar ist leider vergriffen, online kann man sich aber durch alle Folder klicken: www.10yearsintype.com